go your gait! part6_albufeira (2008)
Albufeira (P)
luftlinie zu Linz: 2212 km
40 000 Einwohner
video_albufeira
Die für Linz bislang jüngste Städtepartnerschaft besteht mit Albufeira. Die ersten Kontakte wurden 2006 anlässlich eines kurzen Zwischenstopps auf der Friedenslichtreise des Bürgermeisters von Albufeira und einer Gruppe portugiesische Pfadfi nderInnen in Linz geschlossen. Die aktuelle Zusammenarbeit ist von touristischen und kulturellen Projekten geprägt. Kurz nach meinem Aufenthalt in Albufeira wurde am 31.1.2008 der Partnerschaftsvertrag in Linz unterzeichnet. Albufeira, eine der touristischen Hochburgen an der Algarve, hat ihre wunderschöne autofreie Altstadt ganz den Besuchern zur Verfügung gestellt. In den frühen Januartagen ist Nebensaison und es streifen nur wenige Einwohner über den wie ausgestorben wirkenden Platz Largo Eng° Duarte Pacheco. Vor den Einkaufszentren in den neueren Teilen der Stadt spielt sich jedoch reges Leben ab. Die engen Gassen der Altstadt schmiegen sich über dem Meer an die Felsen und klingen wider vom Gesang der ständig aktiven Klimaanlagen und der Meeresbrandung.
Dank an: Luis Pereira, Sarah Emler
Albufeira tagebuch:
7.1.2008
Pünktlich um 6:50 ging’s los. Auf dem ca. 3-stündigen Flug war dann auch nochmals Zeit die gesammelten Unterlagen zu Albufeira sowie den portugiesischen Sprachführer durch zu blättern. Luis Pereira, mein Kontaktmann in Albufeira, hatte mir bereits im Vorfeld Bilder geschickt, historisches Wissen über die Stadt war auch im Internet gut zu finden.
Archäologische Ausgrabungsstätten beweisen, dass im Gebiet des Bezirks von Albufeira bereits im Neolithikum und im Bronzezeitalter Menschen gelebt haben. Vom römischen Baltum weiß man nicht viel mehr, als dass hier Fischfang im großen Maße betrieben wurden. _Die maurischen Besetzer nannten die Stadt "al-buhera", von dem sich der heutige Name ableitet, sie verhelfen ihr durch Landwirtschaft und Handel mit Nordafrika zu Wohlstand. In der Folge wurde eine Festung mit Verteidigungsmauern gebaut.__Nach einer ersten christlichen Rückeroberung in den Jahren 1189/1190, wird Albufeira mit der endgültigen Rückeroberung 1249 in das Königreich der Algarve aufgenommen. _nach einer wirtschaftlich schwachen Phase, aufgrund eines abnehmenden Handels mit den Mittelmeerhäfen, folgt der Aufschwung mit dem Entdeckungszeitalter (15./16. Jh.). im 18.Jjh. resultieren mehrere Erdbeben, deren Stärkstes das Erdbeben von 1755 war, zu einer Verarmung des Ortes. Erst Ende des 19. Jh. gelangt es, dank zunehmender Fischerei und Fischkonservenindustrie, erneut zu Wohlstand. _der Tourismus, der ab Beginn der 60er Jahre Albufeira zu einem internationalen Zentrum macht, lässt den Ort wachsen, so daß er 1986 den Status einer Stadt erhält. _
Während unseres Fluges erlebten wir einen wunderschönen Sonnenaufgang
Milde Temperatur von 18° empfing mich und meine 16-jährige Tochter Sarah, die mir auf dieser Reise assistierte, am Flughafen in Faro, der Himmel war bedeckt. Ein Kollege von Luis holte uns mit einem Kleinbus ab und brachte uns damit von Faro in das 30 Kilometer entfernte Albufeira.
Die letzten Meter zu unserem Hotel in der verkehrsfreien Altstadt eilte der Fahrer mit unseren Koffern über die kleinsteinig gepflasterten Gassen voraus - wir hinterher. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die uns von Anfang an hier begegnete, war großartig.
Da unser Zimmer noch nicht bezugsfertig war, stellten wir nur die Koffer ab und machten uns gleich auf den weg zum Hauptplatz largo eng° duarte pacheco, um dort etwas zu essen. Die Strassen sind voll von Restaurants und Cafés, auffällig überall Schilder, die TV - Übertragungen von Fußballspielen der englischen Liga ankündigen, sowie Speisekarten in Englisch – nicht nur sprach-, sondern auch angebotslastig.
Von unserem Restaurant aus konnten wir gut den Platz und besonders die Plattform mit ihren 3 Stufen übersehen.
Es fiel uns sofort auf, dass die Erste der drei Plattformstufen ungewöhnlich hoch ist.
Diese 1. Stufe scheint nicht unbedingt zum Betreten der Plattform einzuladen – ist sie zum Sitzen gedacht?
Nach dem Essen und Einchecken im Hotel machten wir uns dann auf den Weg zum Rathaus, das nicht in der Altstadt liegt sondern am Rande derselben - ein Bau der 80er Jahre – ca. 10 Minuten zu Fuß entfernt. Dort trafen wir nun zum ersten Mal mit Luis persönlich zusammen, eine sehr angenehme Begegnung.
Mit dem Auto und zu Fuß führte Luis uns nun durch die Stadt, zeigte uns alte und neue Plätze, architektonische Schmuckstücke, sowie bauliche Neuheiten , wie den neuen Hafen, der nun die vom Strand verdrängten Fischerboote beherbergt.
Am Hauptplatz selbst arrangierte Luis für uns eine Möglichkeit am nächsten Tag von der Terrasse eines Restaurants aus, mit dem Namen bank filmen zu können; wir verabredeten uns mit dem Manager für halb 10.
Die 2 Stunden mit Luis vergingen wie im Flug, wir waren anschließend fix und fertig angesichts der vielen neuen Eindrücke und fielen bereits um 8 Uhr ins Bett. Vieles was Luis uns über das historische Albufeira erzählte, habe ich bereits im Vorfeld durch meine Internetrecherchen gefunden. Anderes wie z.B. die besonderen Kamine und Türklopfer entdeckte ich erst vor ort.

Fast jedes Haus hat solche Kamine (Foto). Wie uns erzählt wurde, ist der Kamin das Letzte das der Bauherr beauftragt und die Aufwändigkeit eines Kamins spricht für sein Vermögen.
8.1.
Nach unserm zeitigen zu Bett gehen wachten wir ausgeschlafen und vor allem hungrig sehr früh auf. Das Frühstück in unserem Hotel mit seinen zahllosen Treppen und Gängen zum verirren, erwies sich als ausgesprochen Englisch, die englische „Herrschaft“ über dieses Örtchen zeigte sich in vielen Details. Es begegneten uns in unserem Hotel fast ausschließlich Pensionisten aus England, manche kommen jedes Jahr zum überwintern hierher.
Pünktlich erschienen wir beim Restaurant bank um unsere ersten Aufnahmen zu machen, vom Manager weit und breit nichts zu sehen. Verschiedene Lieferanten schienen ihn auch zu vermissen. Wir suchten uns einen anderen Ort, einen Weg der auf die Längsseite des Platzes blickt, kamen aber dann doch wieder zum Restaurant zurück. Kaum setzten wir uns dort auf die Stufen vor dem Lokal, kam nun endlich der Manager an, sichtlich verschlafen und angesichts uns – mit einem schlechten GewissenJ
Wir machten unsere Aufnahmen von der Südseite des Platzes, anschließend lud uns der Manager auf einen bica (espresso) ein. Im Gespräch mit ihm und nach unseren ersten eigenen Beobachtungen, wurde es für uns schnell offensichtlich, dass der Hauptplatz largo eng° duarte pacheco nur wenig Einheimische abbildet, da er sich im Zentrum der Altstadt befindet, die hauptsächlich von Touristen bevölkert ist. Das Rathaus, sowie Wohnviertel und Einkaufsstrassen der Einwohner sind in den neueren Teilen der Stadt verortet.
9.1.
Der Himmel war bewölkt, die Temperatur 16°. Wir entschieden uns verschiedene Plätze im neuen Teil von Albufeira aufzusuchen, um auch dort unsere gesuchten Gangbilder aufzunehmen. Nach Rücksprache mit Luis planten wir auch Aufnahmen vom Dach des Rathauses aus zu machen. Wir bestiegen es und machten einige Probeaufnahmen. Der Plan aber war, an einem der nächsten Tage morgens zwischen 8:30 und 10 wieder zu kommen, da zu dieser Zeit reger Betrieb herrscht - Rathaus, Bank , Post und Cafes liegen hier versammelt beieinander.

Als nächstes suchten wir ein Einkaufszentrum auf, das um die Mittagszeit von vielen nicht nur zum Einkaufen sondern auch für einen Mittagssnack genützt wird. Auch dort gelang es uns gutes Material herzustellen.
Unseren Hunger stillten wir während des Tages mit den exzellenten Orangen, die man überall kaufen konnte. Zitrusfrüchte hingen in fast allen Gärten. Für das Abendessen machten wir uns jedes Mal aufs Neue auf die Suche, ein Lokal in der Altstadt mit typisch portugiesischen Speisen zu finden, was uns nicht recht gelingen wollte, da die Angebote sehr auf die englischen Touristen abgestimmt scheinen.
10.01.
Ein sonniger Morgen begrüßte uns. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg durch die Altstadt. Wir entdeckten wieder diese verschiedenen Klopfhände, die uns auf der Fahrt mit Luis am ersten Tag besonders auffielen. Meist sind sie paarweise angebracht, die Rechte mehr abgegriffen als die Linke. Wir entdeckten vorwiegend Hände, aber auch andere Klopfer, wie z.B. die von mir so benannten „Klosterschwestern“.
Wir spazierten durch kleine und große Gassen, bis wir schließlich wieder am Hauptplatz ankamen. Dabei entdeckten wir neue Wege und neue Kameraeinstellungen und fühlten uns schon recht sicher ohne Stadtplan. So recht verlaufen konnten wir uns gar nicht, da alle Wege nach unten (Richtung Meer) immer letztendlich zum Hauptplatz führen. Nach dem vielen Gehen, gönnten wir uns „dois bicas“ (2 espressi) im Café bank und filmten von dort nochmals den Platz. Die Kellner der anderen Lokale, die uns nun schon alle kannten, „performten“ für uns.
Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, die Sonne hatte soviel Wärme mitgebracht, dass wir barfuss am Strand entlangliefen. Schon die Tage vorher waren wir fasziniert vom Klang der Wellen, wie sich dieser von rechts nach links in der Bucht unablässig ausbreitet. Da es fast windstill war, konnten wir davon Audioaufnahmen machen.
11.1.
Da ich trotz 1-stündiger Zeitverschiebung meine Uhren am Handy und Computer nicht umgestellt hatte, weckte mich mein Handy eine Stunde zu früh ( 6´30).
Ich nützte diese morgendliche Zeit (Stille) für Audioaufnahmen auf unserem Hotelbalkon, da es noch zu früh für den alltäglichen Baulärm war (an allen Ecken und Enden der Stadt wurde renoviert, gebaut und erweitert).
Neben dem beständigen Meeresrauschen hörte man den Linienbus sich durch die kleinen Gassen den Berg hinaufächzen. Es hatte in der Nacht geregnet, inzwischen trieb der Wind die Wolken weg und der blaue Himmel strahlte wieder.
Wir waren dann bereits um halb neun beim Rathaus, wo uns der Sicherheitsbeamte gleich zum Dach führte. Dort in der wärmenden Sonne aufgestellt, zeichneten wir die morgendlichen Geschäftigkeiten und Bewegungen rund um Rathaus, Post, Bank und den kleinen Cafés auf....auch Audioaufnahmen ließ der Wind heute zu.
Besonders schön konnte man von dort aus beobachten, was uns schon die ganzen Tage hier auffiel und natürlich auch zugute kam: ein Fußgänger auf dem Zebrastreifen wird so von den Autos respektiert, dass er nicht einmal beim Betreten desselben sein Gehtempo reduzieren muss - wir stellten aber auch fest, dass an anderer Stelle das Queren der Strasse fast ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Wir machten auch noch ein paar Aufnahmen auf dem Vorplatz des Rathauses, der aber viel weniger frequentiert ist. Anschließend suchten wir Luis in seinem Büro auf, um uns zu verabschieden, da ja heute Freitag war und somit morgen - an unsrem letzten Tag - keiner mehr im Büro sein würde.
Während wir auf ein Treffen mit dem Stellvertreter des Bürgermeisters warteten, beschrieb uns Luis den engen Kontakt zwischen Bürgermeister und BürgerInnen. So sei es hier ganz üblich, dass sich in so einer kleinen Stadt wie Albufeira die BürgerInnen einen Termin beim Bürgermeister geben lassen, um ihre Anliegen mit ihm direkt zu besprechen.
Gemeinsam mit dem Stellvertreter des Bürgermeisters besprachen wir die Möglichkeit einer Präsentation meines Projektes anlässlich des Besuchs einer Delegiertengruppe aus Linz im November oder Dezember 2008.
Zurück in der Altstadt, suchten wir nochmals den Ort auf, von dem man die Längsseite des Platzes überblicken kann. Gerade dort, wo wir bereits mehrmals ein kleines Haus mit Balkon, Terrasse und Blick zum Platz bewunderten, stand heute eine alte Dame an der Tür und sprach mit einer Nachbarin....sie beäugten unseren Equipmentaufbau. Schnell kamen wir ins Gespräch und kurz darauf standen wir bereits auf der begehrten Terrasse und konnten filmen. Während die Kamera lief, setzten wir mit der Dame unser Gespräch fort, die um vieles besser Deutsch als wir Portugiesisch sprach und uns einiges aus ihrem Leben erzählte, das auch 8 Jahre Bremen beinhaltete. Sie freute sich sichtlich Deutsch mit uns zu sprechen und wünschte uns beim Abschied viel Glück für unser Projekt. Die Postkarten mit der Projektbeschreibung waren uns auch hier wieder eine große Hilfe.
Während unserer allabendlichen Spaziergänge durch den Ort entdeckten wir eine Vielzahl von Klimaanlagen – manche mit dem Namen silencys. Trotz milder Temperaturen sind sie deutlich hörbar und lassen erahnen wie hier der Sommer klingen könnte.

12.1.
Diesmal kein Wecker, weder absichtlich noch unabsichtlich. Der Himmel blau, doch die Luft sehr kühl.
Recht ausgeschlafen gingen wir zum Frühstück – unser Letztes, da wir ja am nächsten Tag ziemlich früh abfuhren. Ohne konkretes Vorhaben zogen wir los. Erst ein paar Schritte am Strand, ein paar Aufnahmen dort. Das Wasser hatte sich sehr zurückgezogen (Ebbe), die verbliebenen Spuren und Muster im Sand waren wunderschön anzusehen.
Ein Besuch im Museum, dann wieder Richtung „Neustadt“. Wir entdeckten eine andere Strasse, die uns aus der verwinkelten Altstadt dorthin führte.
Beim Café florenca, gelegen an der einzigen 4-spurigen Strasse, die sich durch die ganze Stadt mit ihren markanten Kreisverkehren zieht, machten wir es uns gemütlich, tranken den typischen bica und aßen leckere Krapfen. Gestärkt erkundeten wir andere Teile der Stadt bis hin zur Bibliothek, in der man für kurze Zeit das Internet kostenlos benutzen durfte, im Hotel und Rathaus wurde nur ein kostenpflichtiger Zugang angeboten.
Am Abend machten wir unseren letzten Rundgang durch die Altstadt, immer wieder angesprochen von Menschen, die für die verschiedenen Lokale Handzettel mit Menuangeboten verteilen. Eine junge Frau war diesmal darunter, die uns durch ihre wenig aufdringliche Art gefiel. Ich hatte an einem der vorherigen Tage bereits mit dem von ihr beworbenen Lokal geliebäugelt, an diesem Abend war’s dann soweit. Da wir immer auf das Mittagessen verzichteten, gehörten wir meist zu den ersten Abendgästen in den Lokalen. Außer uns war noch keiner da, leise Bluesmusik erfüllte den Raum, freundlich wurden wir begrüßt. Das Essen war ausgezeichnet und diesmal auch eher portugiesisch!
13.1.
Pünktlich um 6 holte uns Manuel, ein Kollege von Luis vom Hotel ab und brachte uns zum Flughafen.